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Rumänien 2002

(©Copyright by T. Brand 2002)

 Die in Deutschland weit verbreitete Meinung, dass man in Rumänien bestohlen wird und nichts zu essen bekommt, können wir nicht bestätigen. Im Gegenteil, wir haben auf unseren bisherigen Motorradtouren selten soviel Freundlichkeit gegenüber Fremden erlebt wie hier am Fuße der Karpaten. 

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Nach einer ermüdenden Anfahrt über Wien, Balaton (Ungarn), Arad erreichen wir nach mehreren Tagen und über 1000 Kilometern endlich die Stadt ReşiÅ£a, wo uns die Familie Feith in ihrer Pension erwartet. ReşiÅ£a, bzw. Reschitza befindet sich im Südwesten Rumäniens und gilt als einer der wichtigsten Industrieorte im südosteuropäischen Raum. Durch die ganze Stadt und vorbei an etlichen Stahlwerken führt uns der Weg, bis wir kurz nach der Abzweigung zum Secu-Stausee die Pension Mony Feith entdecken. Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Besitzer Erich gibt’s noch ein ŞniÅ£el de porc (Schweineschnitzel) mit cartofi pai (Pommes frites) und ein Bier, danach fallen wir tod- müde in unsere Betten. 

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Reschitza hat wenig zu bieten, das Sehenswerte beschränkt sich auf den Springbrunnen am Hauptplatz, ein Werk des Bildhauers Constantin Lucaci aus rostfreiem Stahl. 

 

Nach der langen Anreise beschließen wir, unser Gesäß zu schonen und einen Besichtigungstag einzuschieben. Wir fahren durch die Stadt und suchen ein kleines Cafe, wo wir bei einem gemütlichen Cappo dem Treiben zusehen wollen. Hinter dem Stadtplatz finden wir endlich eines, inmitten den Häuserblocks. Die Bedienung hat nichts zu tun und lackiert sich die Fingernägel. Kaum haben wir unseren Kaffee auf dem Tisch, belagern uns zwei Kinder, die uns Socken verkaufen wollen. Wir lehnen dankend ab, aber die Kids geben nicht auf und begleiten uns den Weg bis zu unseren Bikes. Wir machen uns wieder auf, denn Reschitza hat ausser dem Springbrunnen am Stadtplatz und dem Lokomotivmuseum nichts Außergewöhnliches zu bieten. 

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Reschitza nahm einen besonderen Platz in der Herstellung von Dampflokomotiven (für Rumänien, Österreich-Ungarn und andere Länder) ein. Die erste Lokomotive, aus dem Jahr 1872, wurde in der Wiener Weltausstellung 1873 gezeigt.

 

Wir fahren noch zum 10 km entfernten Secu-Stausee im Banater Gebirge, eine hübsche Gegend mit einem Erholungszentrum. Von hier aus erreicht man den 200 km² großen Naturpark Retezat, eine wild zerklüftete Gebirgslandschaft mit rund 100 Hochgebirgs- seen und den mit 2511 m zweithöchsten Berg Rumäniens, den Peleaga. 

Romania2002_5Der Secu-Stausee, ein beliebtes Ausflugsziel und Treffpunkt zahlreicher Angler.

 

 

 

 

  

 

Am nächsten Morgen überrascht uns der Regen und wir ändern unsere Pläne. Eigentlich wollten wir von hier aus noch das Porţile de Fier, das Eiserne Tor erkunden (in den 60er Jahren wurde zwischen den Karpaten und dem Balkan ein riesiges Wasser- kraftwerk am Gebirgsdurchbruch der Donau gebaut, das jährlich über fünf Milliarden Kilowatt Strom erzeugt). Ursprünglich wollten wir von hier aus über Herkulesbad in die Karpaten fahren, aber wir beschließen, entlang der Berge über Hateg nach Sibiu, Hermannstadt zu fahren.

 

Bei einer Überholaktion eines Pferdefuhrwerks übersehe ich fast ein von hinten in schneller Fahrt herannahendes Auto und es kommt fast zu einer Kollision. Im letzten Moment ziehe ich zurück auf meine Spur, der italienische Fiat touchiert meine Koffer. Gott sei Dank geht die Sache glimpflich aus. Entgegen den Voraussagen, Rumänen seien chaotische Autofahrer (das mag für die Bucureşti wohl gelten, die mit “westlichen” Autos über die Strassen räubern), haben wir die “normalen” Autofahrer als voraus- schauend und rücksichtsvoll kennen gelernt. Jeder Überholvorgang wird mit Blink- zeichen angezeigt und nicht jeder besteht auf seine Vorfahrt. Nur die türkischen und bulgarischen Fernfahrer haben wohl Bienen im Hintern, rücksichtslos wird überholt, es gilt das Recht des Stärkeren.  

Unterwegs kommt uns ein Trauerzug entgegen, der Sarg wird mit einer Pferdekutsche transportiert, die Trauernden bilden einen langen Zug dahinter. Vorbei donnern die LKW’s. Bei Călan fahren wir vorbei an alten verlotterten Industrieanlagen, ein trauriger Anblick, besonders bei den tiefhängenden Wolken, alles stimmt depressiv. 

Die letzten 55 Kilometer von Sebeş, Mühlbach (eine der frühesten deutschsprachigen Siedlungen Siebenbürgens) auf der Europastrasse E68 ist es endlich trocken und wir geben den Bikes die Sporen. Gleich am Stadtrand erwartet uns westliches Flair: Fastfood und Tankstellen reihen sich aneinander, Tramper warten auf eine günstige Mitfahrgelegenheit. 

Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit (Regenfahrten in Rumänien sind nicht lustig, man weiß nicht, sind die Wasserlachen “nur” Spurrillen oder wahre Löcher im Asphalt) suchen wir uns das nächste Hotel, das aber wegen eines Theaterfestivals in der Stadt kein Zimmer frei hat. Hilfsbereit erkundigt sich der Portier aber bei seinen Kollegen und letztlich finden wir ein Doppelzimmer für 36 USD im Hotel Bulevard. 

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 Sibiu (Hermannstadt) hatte einmal den größten

Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung Siebenbürgens. Zurzeit leben etwa noch 2500 Deutsche in der Stadt. Durch die Versäumnisse der Vergangenheit verfielen Teile der Altstadt, ein städtebauliches Juwel mit dem Flair alter deutscher Städte. Hoffnungen wecken aber die vielen Baustellen, und der neue Bürgermeister Klaus Johannis, der seit Sommer 2000 nach mehr als 50 Jahren der erste Siebenbürger Sachse an der Rathausspitze ist.

Von der mittelalterlichen Wehranlage ist noch ein Teil der Stadtmauer sowie vier Türme vorhanden. (Im Bild ist die evangelische Kirche mit dem in 1520 fertig gestellten 73 m hohen Turm.)

 

In der Pizzeria Michelangelo (Str. Turnulu Nr. 3, Tel. 069/213210) gibt es für um- gerechnet 6 Euro zwei Pizzen und vier Bier. Nach einem kurzen Spaziergang durch die nächtliche Stadt erreichen wir unser Hotel, vom Fenster aus lauschen wir noch den musikalischen Klängen des Künstlerfestes, bevor wir unsere müden Häupter betten. 

Am nächsten Tag wollen wir uns im Tourist-Office nach einer günstigeren Unterkunft erkundigen und haben Glück. Zum einen spricht die Angestellte ausgezeichnet deutsch, zum anderen stellt sich nachträglich heraus, dass die vermittelte Pension (Pensiuea Lia, Cisnadioara 244) ein wahrer Glücksgriff ist. Peter lebt seit 21Jahren in Deutschland und hat in seiner Heimat eine kleine (aber feine) Pension geschaffen. Neun Fremdenzimmer und ein Swimmingpool im Garten, Sanitäranlagen wie zuhause, lassen keine Wünsche offen, zumal der Hausherr uns am Abend ein Feuerchen im Garten entzündet. Dazu gibt es Hauswein und Mititei (Ćevapčići) mit Bratkartoffeln und viel Knoblauch.

Den Tag verbringen wir mit einer Sightseeing-Tour in Hermannstadt. Wir schlendern durch die alten Gassen und sind beeindruckt von der großartigen Architektur. Vieles erinnert an alte deutsche Städte wie z.B. Nürnberg. Durch das zurzeit stattfindende Theaterfestival sind überall kleine Imbissstände aufgebaut, die zum Verweilen einladen. Wir essen gegrillte Würstchen und staunen über die vielen gutgekleideten Frauen, ein italienisches Flair ist zu spüren.

 

Impressionen von Hermannstadt: 

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Über die Altstadtstiege erreicht man den “grossen Ring” (Piata Mare). Links sieht man ein blaues Stadthaus, einen spätgotischen Bau mit barocken Elementen. Daneben steht der Brukenthal Palast, mittig die Banca “Acricola”, rechts die römisch-katholische Pfarrkirche, eine Saalkirche im österreichischen Barock (1726 - 1733). 

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Der kleine Ring (Piata Mica). 

 

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Die evangelische Kirche (1371 - 1520), hier trifft sich sonntags die deutschsprachige Gemeinde. Davor steht das Standbild des Bischofs Georg Daniel Teutsch

Gegenüber befindet sich ein deutsches evangelisches Gymnasium, das 1380 erstmals als Schule erwähnt wurde.

  

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In einem der zahlreichen Straßencafes trinken wir einen Kaffee und beobachten die vorbeigehenden Menschen.

 

 

 

Die Orthodoxe Kathedrale (1902 - 1906) ist der Nachbau einer byzantinischen Basilika, eine kleine Kopie der Hagia Sofia.

 

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Detaillierte Infos über Hermannstadt erhält man im Tourist Information Center am grossen Stadt- platz, Piata Mare 7, Tel. 069/211110 oder im Internet unter www.sibiu.hermannstadt.ro  

Nach den vielen gesammelten Eindrücken versorgen wir uns im Supermarkt noch mit diversen Lebensmitteln, übrigens der erste Markt, wo man sich selbst bedienen konnte. (Normalerweise kauften wir in Läden, wo man bedient wurde und die wenige Ware durch eine Glasscheibe betrachten konnte). 

Wir fahren zurück zur Pensiunea Lia, verstauen die paar Sachen im Kühlschrank und machen uns auf nach Păltiniş (Hohe Rinne), einem von Hermannstadt 32 km süd- westlich entfernten Kurort in 1442 m Höhe. Von Cisnadioara sind es ungefähr noch 25 km. Vorbei geht es an Răşinari, einem malerischen Dorf. Hier wohnen Schäfer, die einen wohlschmeckenden Käse herstellen. Amüsant ist der Anblick der Straßenbahn, die zwischen diesem Dorf und Hermannstadt verkehrt, inmitten von grüner Natur. Ab und zu muss der Trambahnfahrer Gänse von den Gleisen verscheuchen, wenn er den frischen Käse in die Stadt bringt. Im Volksmund wird die Trambahn auch “Käseexpress” genannt. Oben in Păltiniş angelangt, erinnert der Blick zu den Cindrel- und

Lotrului-Bergen an die Schweizer Alpen, endlose saftige grüne Wiesen und ab und zu ein paar Schafherden. 

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Vorbei geht es an Răşinari, einem Ort, wo sehr schmackhafter Käse produziert wird. Über zahlreiche Serpentinen erreicht man Păltiniş (Hohe Rinne). Die Idylle erinnert an die Schweizer Pässe. Und immer wieder kreuzen Pferdefuhrwerke unseren Weg.

 

Die Fortsetzung unserer Reise durch Siebenbürgen und Transsilvanien gibt es im zweiten Teil unserer Rumänienreportage unter www.abseiling.de