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Rumänien 2002

Teil 3: Die Karpaten

(©Copyright by T. Brand 2002)

 

Der Morgen küsst uns mit Sonnenschein. Das ideale Wetter für den “Transfăgăraşan”, Rumäniens beste Gebirgsstrasse, ein Prestigeobjekt des Diktators Nicolae Ceausescu. Wir verlassen die Ebene des Flusses Olt nach Avrig und biegen nach rechts in die Strasse in Richtung Balea Lac. Das Schild an der Strasse zeigt “deschiş” (geöffnet). Der Pass ist wegen seiner Höhe nur wenige Monate im Sommer fahrbar. Vor uns liegen ungefähr 100 Kilometer Kurventraum. Nach ca. 20 Kilometern jedoch ändert sich die Farbe des Hinweisschildes von grün auf rot: “inchiş” steht nun auf der Tafel, was soviel bedeutet wie geschlossen. Sch... drauf, wir sind hier über 1500 Kilometer weg von zuhause und der Pass soll so geil sein. Wir beschließen, die Hinweise zu ignorieren und machen uns auf, den über 2000 Meter hohen Pass zu überqueren.

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Nach etlichen Kehren fahren wir durch die ausgefrästen Schneefelder, es reiht sich Tornanti an Tornanti, ein Traum. Keine Autos, keine Asphaltfräser, die am Hinterrad kleben, nur wir zwei auf einer wirklich traumhaften Strasse. Nur das Wetter könnte besser sein. Am Himmel ziehen wieder dicke Wolken auf. Wir erreichen die Passhöhe und die Strasse mündet in einen 900 Meter langen unbeleuchteten Tunnel. Oben bläst ein gewaltiger Sturm die Wolken über den Moldoveanu, den mit 2544 Metern höchsten Gipfel Rumäniens. Im stockfinsteren Tunnel glitzert das Eis im Scheinwerferlicht. Wir sind froh, als wir das andere Ende erreichen und eine kurze Verschnaufpause machen können. Doch was ist das plötzlich für ein Lärm? Es gleicht einem Hubschrauber, der scheinbar durch den Tunnel kommt. Zwei Scheinwerferkegel blitzen aus dem finsteren Loch, es sind zwei Harleyfahrer aus England, die auf dem Weg ans Schwarze Meer sind. 

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Jetzt wird uns auch bewusst, warum der Pass “inchiş” ist, die Strasse ist teilweise nur knapp einspurig befahrbar. Sogar an der Südseite liegt der Schnee noch meterhoch. Immer wieder versperren Felsstürze einen Teil der Fahrbahn. 

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Weiter unten rauschen Bäche zu Tal und frei lebende Pferde grasen neben der Strasse, idyllisch. Vorbei geht es an einem riesigen Stausee, dem Vidrarusee, an dessen Ufern man auch zelten könnte. Die gigantische Staumauer wird von bewaffneten rumänischen Soldaten bewacht, die uns aber freundlich nachwinken. Unser Ziel ist aber Herkulesbad. Doch erst einmal fahren wir nach Curtea de Argeş in der Walachei. Die Dörfer wirken hier protziger, fast jedes Haus hat seinen eigenen Ziehbrunnen mit christlichen Verzierungen oder Mutter Gottes Statue. 

Romania2002_41 In Curtea de Argeş residierten im 14. Jh. Die walachischen Fürsten. Aus dieser Zeit stammen die byzantinischen Kirchen.

 

 

 

 

 

Nach einer kurzen Pause gehts weiter über Rāmnicu Vālcea, ein Zentrum für Keramikarbeiten. Ansonsten wirkt der Ort am Fluss Olt eher abstoßend. Wir fahren weiter über Horezu mit einem Kloster aus dem 17.Jh., einem der schönsten Zeugnisse alter rumänischer Baukunst. Überall werden an der Strasse Keramikerzeugnisse verkauft. Am späten Nachmittag erreichen wir endlich Tārgu Jiu. Die Sonne brennt vom Himmel und der A.... tut uns weh. Froh sind wir, als wir die Stadt durchquert und die Abzweigung nach Herkulesbad über die Strasse 67 D gefunden haben.   

Noch knapp hundert Kilometer haben wir zu fahren. Nach Baia de Aramă wird es immer einsamer, über einen kleinen Pass geht es in das Cerna-Tal. Bei der Auffahrt passieren wir eine Schafherde mit Hirten und Hunden. Trotz gemächlicher Fahrt, wir wollen die Herde nicht aufschrecken, findet der eine Hund wohl, dass ich ein leckeres Abendessen hergebe. Plötzlich nimmt er die Verfolgung auf und ich gebe Gas. Aus den Augen- winkeln beobachte ich, wie er seine Absichten aufgibt. Doch nun merke ich an meinem rechten Fuß, wie sich sein Kollege genüsslich tut. Ich trete ihn weg, gebe wieder Gas und er bleibt knurrend auf der Strasse zurück.  

Oben angelangt, inspiziere ich meine Hose. Außer kleinen Druckstellen sieht man nichts an meiner Lederhose. Gott sei Dank. Bisher hatten wir immer gute Erfahrungen mit den Hunden gemacht. Keiner hatte es bisher mit uns aufgenommen, anders als bei unserer Tour über Sardinien, als wir ständig von Hunden verfolgt wurden. Nach einer Zigarette steigen wir wieder auf die “Böcke”, um die letzten Kilometer anzugehen. Romania2002_42           

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Tief hat sich die Cerna eingegraben. Die malerische Schlucht lädt viele Leute zum Picknick ein. Überall am Ufer grillen und baden Familien mit ihren Kindern. Wir fahren die kleine Strasse entlang und beobachten wieder zwei Hunde, die sich auf einer Wiese von ihren Besitzern lösen und sich zähnefletschend auf unseren Weg machen. Wir geben Gas und die Hunde geben auf. Heute muss der Tag des Hundes sein, schießt es mir durch den Kopf, oder wir haben einen Geruch an uns, der die Köter anmacht.

Es sind nur noch wenige Kilometer nach Herkulesbad und so schauen wir uns nach Übernachtungsmöglichkeiten um. Am Stausee 7 Kilometer vor dem Ort finden wir direkt am Ufer eine ansprechende Pension, die aber leider belegt ist. Die Straßenführung lässt es nicht zu, direkt nach Herkulesbad einzufahren, und so folgen wir dem Verlauf bis zu einer Kreuzung, an der wir nach rechts abbiegen. Ungefähr einen Kilometer nach dem Bahnhof von Herkulesbad (Băile Herculane) finden wir auf der rechten Seite einen ordentlichen Zeltplatz, der, wie sich herausstellt, von einem Erkenschwieker geführt wird.  

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Kaum haben wir unser Zelt aufgestellt, kommt er (anscheinend froh, wieder mal Deutsche zu treffen) und drängt uns ein Gespräch auf. Unter anderem erfahren wir, dass er mit dem rumänischen Touristikminister persönlich bekannt ist und mitverantwortlich sei, dass in diesem Land seit Jahresbeginn die Visumspflicht für Deutsche abgeschafft wurde. Außerdem hätte er die deutsch-rumänische Küche so verfeinert, dass er die gute deutsche Bratensauce an die rumänischen Speisen gebracht hätte. Wir trinken unseren mitgebrachten Wein und denken insgeheim, lass ihn reden…. 

Die Nacht ist ruhig, der Hund des Hauses (übrigens ein deutscher Schäferhund), bewacht den Platz. Für den nächsten Tag haben wir uns den Besuch von Herkulesbad vorgenommen. 

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Băile Herculane ist das älteste Bad Rumäniens. Schon die römischen Soldaten des Kaisers Trajans badeten in den warmen und mineralhaltigen Quellen im Cerna-Tal. Benannt wurde der Ort nach Herkules, dem Patron und Beschützer der römischen Kaiserfamilie Ulpia.  

 

Romania2002_49Leider ist der Himmel wieder einmal wolkenverhangen. Wir beeilen uns, den Ort in Richtung Zeltplatz zu verlassen, als ein paar Regentropfen gen Boden fallen. Leider wird es wieder nichts mit dem Besuch des PorÅ£ile de Fier, dem Eisernen Tor. Wir kriechen in unsere trockenen Schlafsäcke und lauschen dem immer stärker werdenden Regen auf unser Zelt. Gott sei Dank haben wir unsere gesamte Aus- rüstung noch in unsere Apsis einräumen können. Der Regen wird immer stärker, Blitz und Donner umgeben uns und bei einem gemütlichen Bier aus der Dose lassen wir unsere Eindrücke noch einmal Revue passieren.  

Am nächsten Morgen prasselt noch immer der Regen gegen unser Zeltdach. Wir kochen uns im Vorzelt einen Espresso und beschließen (auch aufgrund der Wetter-Recherchen im Internet, die wir in Braşov gemacht hatten), Rumänien auf dem schnellsten Weg zu verlassen und leider die Heimreise anzutreten. Als der Regen nachlässt, bauen wir unser VauDe Ferret III ab und fahren über die Europastrasse E70 nach Timişoara, weiter über Arad nach Ungarn zum Plattensee. Nach der Grenze hat Petrus ein Einsehen mit uns und schenkt uns blaue Flecken am Himmel, die mit jedem gefahrenen Kilometer größer werden und schließlich der Planet Sonne in seiner vollen Kraft herunterstrahlt.  

Leider hatten wir in Rumänien nicht immer das ideale Bikerwetter, die Gastfreundschaft und die Freundlichkeit der Menschen hat uns aber, genau so wie die abwechslungsreiche und interessante Landschaft dermaßen beeindruckt, dass wir sicher nicht das letzte Mal in diesem Land waren.

 © T. Brand 2002